Es war, so ganz genau weiß ich es nicht mehr, Juni oder Juli 2017. Ich saß an meinem improvisierten Schreibtisch, zwei metallene Seitenteile, dazwischen Regalbretter. Auf dem Esszimmerstuhl beugte ich mich nach vorne, um in die Tasten zu hauen.
Da spüre ich im Rücken eine Art „Puff“. Als würde etwas platzen. Dann folgten Schmerzen. Eine Explosion der Schmerzen. Japsen. Schwärze vor Augen. Erstarren. Wie lang das dauerte, weiß ich nicht. Doch nach und nach lässt der Schmerz nach und ich will lehne mich zurück.
Bewegung ist keine gute Idee
Schmerzen. Schwärze. Schon wieder. Ich lehne mich an. Warte. Meditiere. Kontrolliere den Atem: Ein, aus, ein, aus. „Gleich wird es wieder gehen. Habe ja schon öfter Schmerzen gehabt. Hat sich alles wieder gegeben.“
Diese Annahme entpuppt sich als Irrtum
Denn der Zustand hält an. Stunden. Tage. Wochen. Monate. Das Sofa wird mein bester Freund. Sitzen, sich anlehnen mit einem Kissen im Rücken. Genau positioniert. Meditierend. Jede Bewegung vermeidend. Jede Bewegung aktiviert die Wirbelsäule im Lendenbereich. Die lösen zuverlässig eine Schmerzexplosion aus.
Raum und Zeit verschwinden
Raum und Zeit verschwinden, während ich so da sitze. Essen? Verzichtbar. Trinken? Verzichtbar. Duschen? Verzichtbar. Schlimm sind die Gänge zur Toilette. (Pardon)
Jede Bewegung, erst recht jedes Aufstehen eine Qual
Ich konzentriere mich. Versuche herauszufinden, wie ich die Schmerzen reduzieren kann. Wie muss ich mich bewegen? Krumm? Schonhaltung? Aufrecht? Balance und Körperkraft verändern sich. Tasten an der Wand entlang. Gehen mit Händen, aufgestützt auf den Oberschenkeln. Pausen. Luftholen. Meditieren. Abstützen, wo ich halt finde und stehe. Sich hochziehen, wenn es möglich ist.
Eine völlig neue, unvorstellbare Erfahrung
Das habe ich noch nicht erlebt. Ich war 2012 schon einmal wegen eines Bandscheibenvorfalls der Halswirbelsäule im Krankenhaus. Da wurde mir eine künstliche Bandscheibe nahe gelegt und ich musste eine Woche an den Tropf. Fast ein Jahr brauchte es, bis der bewegungsunfähige linke Arm wieder einsatzfähig war. Aber trotz all der Schmerzen, zusätzlich zum Tropf brauchte ich weitere Mittel, das – war nicht vergleichbar.
Jetzt sind die Schmerzen krampfartig. Explodieren. Schalten alles aus. Lähmungen im Bein fallen da noch nicht auf.
Mit den Wochen lassen die Schmerzen nach
Nach Wochen lassen die Schmerzen nach. Es wird nicht mehr alles schwarz bei jeder Bewegung. Ich bewege mich wieder mehr. Schlafen im Bett? Unmöglich. So weit komme ich nicht runter. Also schlafe ich im Sitzen auf dem Sofa. Kenne ich auch schon von meinem Bandscheibenvorfall. Also nicht so schlimm. Duschen geht, im Knien. Essen geht auch wieder. Aber das Gewicht geht hoch. Kaum noch Bewegung… ein gedämpfter Stoffwechsel. Kein Wunder.
September – Die Mammo ruft
Im September stehe ich von einer Entscheidung. Gehe ich zu „meiner“ Mammographie oder verschiebe ich. Ein Termin wäre dann vermutlich erst ein halbes Jahr später möglich. Also raffe ich mich auf. Hundert Meter zum Bus, immer an den Hauswänden lang. Das linke Bein macht nicht immer, was es soll. Gut wenn man sich abstützen kann. Gott sei Dank gibt es an der Haltestelle eine Bank. Im Bus: Sitzen. Am Bahnhof: Sitzen. Im Zug sitzen. Der Weg zur Praxis ist am schlimmsten. Aber auf dem gibt Blumenkästen. Da kann ich mich hinsetzen. Den Rücken erholen. Schmerzen dämpfen. Dann wieder weiter. Im schlimmsten Fall hilft hinhocken. Klingt verrückt nicht?